Die Dinge, die ich mag

Aufschreiben, was gut ist…

Archive for Mai, 2010

Shine A Light

Sie wurden tausendmal tot gesagt. Sie spannten sich die Frauen aus, sorgten mit unzähligen Drogen- und Alkoholeskapaden für Aufsehen, redeten zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar kein Wort mehr miteinander, nahmen nebenbei über 30 Alben auf, kurz – sie boten und bieten seit fast 50 Jahren Rock ´n´ Roll pur.

Die Rede ist – natürlich – von den Rolling Stones!

Letzten Freitag nun erschien die Neuauflage Ihres Album-Klassikers „Exile On Main St.“, welcher nicht zu Unrecht als eine Ihrer besten, wenn nicht als die beste Veröffentlichung der Stones gilt. Das Doppelalbum aus dem Jahr 1972 bot keine eingängigen Hits im Stile von „Angie“, dafür aber eine 67 Minuten lange, dreckige, düster brodelnde Mischung aus Rock, Country, Blues und Soul.

Vom treibenden, mit Bläsern und Honky-Tonk-Piano unterlegten Opener „Rocks Off“ über die Single „Tumbling Dice“ bis hin zur Ballade „Shine A Light“ spielten sich die Stones durch eine wilde Mischung von Songs, die vor allem durch Ihre stilistische Bandbreite und das virtuose Zusammenspiel der Gitarristen Keith Richards und Mick Taylor überzeugte. Dazu arbeitete sich Mick Jagger noch ein Stück bösartiger als sonst durch seine Texte und Gesangsparts. Da ist es schwer, einen Höhepunkt zu nennen: So mitreißend zelebrierten die Stones Ihre privaten Streitigkeiten und die Widrigkeiten während der Sessions auf diesem Doppelalbum, so aufregend spielten sie sich durch die 18 Songs, die auf der emotionalen Achterbahn so ziemlich jede Kurve, jeden Looping mitnehmen.

Kein Wunder, stand doch schon die Produktion unter keinem guten Stern: Durch Steuerschulden zur Flucht aus dem heimischen Großbritannien gezwungen, ließen sich die Stones in Keith Richards‘ Anwesen Nellcote an der Cote d’Azur nieder, funktionierten die Räume im Keller des viktorianischen Hauses zu einem Studio um und begannen mit den Aufnahmen zu „Exile“. Alkohol- und Drogenmissbrauch, Unzufriedenheiten innerhalb der Band und ein ständiges Kommen und Gehen von Gästen boten den Rahmen für chaotische Sessions, für die man sogar die örtliche Stromleitung illegal anzapfte.

Durch die aufwändige Post-Production in Los Angeles entwickelte sich „Exile On Main St.“ dann schließlich zu dem Klassiker, der nun mit zehn bisher unveröffentlichten Stücken wieder veröffentlicht wurde. Unter den alten neuen Stücken stechen besonders das groovige „Plundered My Soul“ und die großartige Ballade „Following The River“ hervor. Auch hier wird noch einmal deutlich, wie wichtig auch die Session-Musiker, allen voran Nicky Hopkins am Piano, für die Produktion dieses Albums waren.

„Exile On Main St.“ ist das Werk einer Band, die Ihren Talenten und Ihren ziemlich ausgeprägten Lastern während der Aufnahmen freien Lauf ließen. Wo das meist schief geht, avancierte dieses Album zu einem Klassiker der Rockmusik, das bis heute keinen Deut an Relevanz verloren hat. Top-10 Charteinstiege der Neuveröffentlichung  in 20 Ländern diesen Montag beweisen, dass die Stones somit immer noch nicht am Ende angelangt sind. Egal, wie oft das Kritiker, Journalisten und Fans auch behaupten mögen. Rock ´n´ Roll bedeutet eben auch unsterblich zu sein. Das mag ich.

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Ein Plädoyer fürs Lesen

… und damit meine ich nicht, das Fernsehprogramm aus der TV-Zeitschrift oder den „Anschlag“ im U-Bahnhof, wann die nächste Untergrund-Bahn fährt. Auch SMS, facebook-Einträge oder Uhrzeit-lesen bezeichne ich nicht als Lesen. Ich mag, liebe und meine Lesen im Sinne von Bücherlesen! Ein Hobby, welches im hektischen, digitalen Zeitalter mit all seinen multimedialen Ablenkungen kaum noch gepflegt wird.

Und doch, es gibt sie noch: Menschen, die ein Buch lesen! Sogar in der Öffentlichkeit: In Parks, auf Wiesen, auf Bänken – im Sitzen, Stehen, im Schneidersitz, auf dem Rücken oder auf dem Bauch. Selbst für die Digitalisten da draußen gibt es mittlerweile die Möglichkeit, ein Buch zu lesen: Auf dem Computer, als E-Book oder auf iPad, iPhone und Co. Welch eine Symbiose! Warum aber ist Lesen so schön? Dafür gibt es viele Gründe. Zunächst:

Lesen bildet! Selbst im abgedroschensten Pilcher-Roman stecken Informationen, die man zuvor noch nicht wusste. Seien es auch nur die Gezeiten-Zeiten an der irischen-Küste oder die kulinarische Genüsse britischer Schäfer. Mit jedem Buch lernt man hinzu. Oft unbewusst, manchmal Nebensächliches, häufig Brauchbares.

Lesen entzeitet. Hektik bestimmt den Alltag. Aufstehen, schnell frühstücken, zur Arbeit fahren, arbeiten, arbeiten, arbeiten, zurück durch den Verkehr, schnell  essen, umziehen um dann noch schnell in eine Bar, mit Freunden. Klar, kein typischer Alltag für alle Leser. Trotzdem: Ruhe. Pause. Gedanken fassen. Nachdenken. All das kommt zur kurz. Nimmt man sich nun ein Buch zur Hand, beginnt zu lesen, dann bleibt die Zeit förmlich stehen. Man vergisst alles um sich herum, taucht ein, in eine Welt, die sich rein in der eigenen Fantasie abspielt. Ein tolles Gefühl! Kennt man aber nur, wenn man liest!

Lesen fördert Sprache! Wer viel liest, drückt sich gewählter aus und schreibt stilvoller. Wie bei der Wissensaufnahme beim Lesen (vgl. Pilcher oben), geschieht auch die Verbesserung der eigenen Schreib- und Ausdrucksweise i.d.R. unterbewusst. Nicht nur Inhalt, sondern auch Stil und Begrifflichkeiten bleiben hängen. Darauf muss man sich nicht mal konzentrieren. Lesen ist lesen, schreiben und sprechen lernen gleichzeitig! Klingt komisch? Ist aber so!

Und zu guter Letzt: Lesen ist sexy! Entgegen der weitläufigen Meinung, Menschen, die Lesen seien langweilig, besagen nicht nur neuste Studien und Umfragen, dass vor allem Frauen, Männer anziehend und attraktiver finden, die lesen. Ein Mann mit Buch drückt Intelligenz aus. Verantwortungsbewusstsein oder wenigstens: OK, er kann lesen!

Also, ran ans Buch-Werk! Auch wenn nur der Schönheit wegen!

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