„Das ist Hamburg und die Sonne scheint – nicht“ quäkt Jan Delay aus den Boxen. Recht hat er. Mal wieder. Seitdem ich hier wohne, ist der graugrün-karierte Regenschirm mein bester Freund und ständiger Begleiter. Aber einer Stadt wie Hamburg verzeiht man die vielen Regentage gern. Wenn ich es mir recht überlege, ist es vielleicht sogar besser so. Denn falls hier auch noch ständig die Sonne schiene, würde ich wahrscheinlich platzen vor Glück über so viel Perfektion.
Hamburg hat wirklich alles, was der Mensch braucht:
Dieses Unglaubliche Flair, das sich aus tausend Facetten zusammensetzt. Big City Life, direkt nebenan aber auch wieder riesige Parks, in denen man die Seele baumeln lassen kann. Und viele wirklich schöne Wohngegenden, zentral und doch ruhig gelegen. Und dann gibt es natürlich das Schanzenviertel – jene alternative Ecke Hamburgs, in der man (freier Tag vorausgesetzt) morgens stundenlang in einem der vielen gemütlichen Cafés sitzen kann, um danach zu einem Bummel durch die Läden aufzubrechen. Nicht irgendwelche x-beliebigen Läden. Hier findet man mit Liebe gemachte Einzelstücke und viel Kurioses.
Einige fragen sich sicher schon, wann ich eigentlich das Wichtigste erwähne? Den Hamburger Hafen, der uns das Gefühl gibt, fast am Meer zu wohnen. Dem Hafen verdankt Hamburg auch die Reeperbahn. Früher wurden hier Seile und Schiffstaue gefertigt. Dank der hier an Land gehenden Seeleute entwickelte sich das einmalige Vergnügungsviertel mit Bars, Bordellen, Casinos und Clubs. Mit Auftritten in einer der bekanntesten Musikkneipen St.Paulis begannen in den Sechzigern u.a. die Beatles ihre Karriere. Hier wurden sie berühmt.
Sicher, in Hamburg werden nicht nur Erfolgsgeschichten geschrieben. Wie in jeder Großstadt gibt es Junkies und Obdachlose, die Passanten nach ein wenig Kleingeld fragen. Ich gebe ihnen lieber hin und wieder ein Brötchen, Hundefutter (für den Hund) oder die Tageszeitung. Manche von ihnen, die mit den weißen Bärten und langen Haaren, erinnern mich an Seemänner. Einer hält auf dem Boden sitzend ein Bier in der Hand. Ein anderer kommt dahergeschlurft, ebenfalls mit einer Flasche Bier. Sie grüßen sich und stoßen ganz beiläufig im Vorbeigehen miteinander an. „Das ist Hamburg“, denke ich still und fühle mich ein bisschen verliebt in diese Stadt und ihre einmaligen Menschen. Egal, ob arm oder reich.