Die Dinge, die ich mag

Aufschreiben, was gut ist…

Archive for März, 2011

Mehr Schein als Sein – Lidl-Tickets machen Leute

Gerade habe ich frei und besuche zusammen mit einem Kumpel einen gemeinsamen Freund in Dresden. Ein Hoch auf diese glorreichen Billig-Tickets von Lidl, mit denen man mindestens einen Teil der Reisestrecke im ICE zurücklegen muss – ja richtig gelesen: Man darf nicht, sondern man MUSS. Besonders mag ich die Dinger, wenn freundliche Mitmenschen sie auf eBay einstellen und sie dort noch günstiger versteigern, als sie ohnehin schon sind. Wenn man die Tickets online ersteht, statt sie direkt bei Lidl zu kaufen, umgeht man zugleich geschickt die Gefahr, von den berühmt-berüchtigten Supermarkt-Kameras einer gewissen Supermarkt-Kette gefilmt zu werden. Diese Geräte zeichnen neben dem möglichen Fehlverhalten der Lidl-Mitarbeiter vermutlich auch jeden einzelnen Schritt der Kunden akribisch auf. Oder zeichneten auf. Wie dem auch sei – die Lidl-Tickets sind jedenfalls auch absolut top. Das Beste daran ist, dass zusätzlich zu zwei Zugfahrten durch ganz Deutschland zwei Gutscheine für Gratis-Platz-Reservierungen inklusive sind. Mit Vergnügen kann man dann fremde Leute von den reservierten Sitzplätzen verscheuchen, die man selbst normalerweise immer räumen muss, weil einem die 4,50 Euro für die Reservierung mal wieder zu teuer gewesen sind. Mit den – im Idealfall billig ersteigerten – Lidl-Tickets ist (scheinbare!) Dekadenz kein Problem mehr. Ganz so arrogant und herzlos wie ein Otto-Normal-Platzreservierer kann ich mich dann aber doch nicht verhalten: Mein schlechtes Gewissen zwingt mich dazu, den sich trollenden Fahrgästen zumindest noch ein leises „Sorry“ zuzuraunen und dazu ein betretenes Gesicht zu machen.

Dass mir das Zugfahren an sich gefällt, habe ich ja bereits in einem früheren Eintrag schon mal berichtet. Um meiner Sammlung erheiternder Erlebnisse during träwellink wiß Deutsche Bahn zu aktualisieren, hier die Antwort eines verschmitzen Schaffners auf die Frage eines Fahrgastes, wo denn das Raucherabteil sei: „Die gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Hat aber einen entscheidenden Vorteil: Die Kippen reichen deutlich länger!“

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Biutiful – die Realität ist manchmal alles außer schön

Letztens war ich mal wieder im Holi, einem der Hamburger Programmkinos, das im Gegensatz zu Cinemaxx und Co. nicht die großen Blockbuster aus Hollywood zeigt, sondern eher unbekannte Filmkunst auf die Leinwand bringt. Diese Filme haben meist etwas, das den Kassenschlagern mit Brad Pitt oder Johnny Depp oft fehlt – eine Message und eine nicht selten schmerzhafte Nähe zur Realität.

Zum Beispiel der mexikanische Film „Biutiful“ – nein, kein Rechtschreibfehler. In „Biutiful“ geht es um Drogen, illegale Einwanderer und den Tod, aber auch um Liebe. Uxbal, die Hauptfigur, ist ein unglaublich charakterstarker Mann, der seine Exfrau trotz ihrer psychischen Erkrankung und diverser Fehltritte noch mit unbegreiflicher Geduld liebevoll behandelt. Er ist seinen beiden Kindern, mit denen er in Barcelona lebt, ein liebender Vater und obwohl er seinen Lebensunterhalt durch illegale Geschäfte verdient, hat er das Herz am richtigen Fleck. Er ist nicht kaltblütig und gewissenlos genug, um immer den maximalen Gewinn herauszupressen, sondern versucht die Lebensbedingungen der chinesischen Bauarbeiter zu verbessern, deren Arbeitgeber er deckt. Und er nimmt Frau und Kind eines illegal eingewanderten Senegalesen bei sich Zuhause auf, nachdem ihr Mann wegen Hehlerei abgeschoben wird. Uxbal wirkt stark und zielstrebig, doch er hat Krebs und wird in wenigen Monaten sterben. Verbissen versucht er, die Zukunft seiner Kinder zu sichern und inneren Frieden zu schließen. Schonungslos zeigt Regisseur Inárritu die erbärmlichen Lebensumstände Uxbals, seiner Frau, der afrikanischen Einwanderer und schließlich die der chinesischen Arbeiter, die in einem Keller auf dem Boden schlafen. Da ist nichts, das von Uxbals langsamem Sterben ablenkt – alles ist beängstigend realistisch, quälend, dramatisch ohne dramatisiert zu wirken. Trotz seines Verantwortungsgefühls und seiner Liebesfähigkeit ist Uxbal kein Engel – auch er trägt Schuld am allgegenwärtigen Leid. In „Biutiful“ gibt es keine Schwarz-Weiß-Malerei. Es wird dem Zuschauer nicht leicht gemacht. Ein Film, der noch lange nachhallt.

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Endlich Sommer – quasi jedenfalls

„Schönes Wetter heute.“ – Eigentlich der wohl langweiligste Smalltalksatz überhaupt. Aber am Thema Sonnenschein führt in den letzten Tagen nun einmal einfach kein Weg vorbei. Letzten Sonntag habe ich für mich persönlich jedenfalls schon einmal den Sommer eingeläutet. Los ging es mit einem Frühstück im Schanzenviertel. Bei den meisten Cafes kann man noch nicht wieder draußen sitzen, doch das „Cafe unter den Linden“ bildet diesbezüglich eine Ausnahme: Hier sind die Gäste nicht so empfindlich und nutzen auch bei noch nicht ganz sommerlichen Temperaturen gern die Gelegenheit draußen zu essen, um keinen Sonnenstrahl zu verpassen. Für nicht ganz so Hartgesottene, die trotzdem ihren Kaffee in der Sonne genießen möchten, liegen extra wärmende Decken bereit.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem kleinen Verdauungsspaziergang am Hafen im Anschluss – keine Spur vom sonst üblichen fiesen, schneidenden Hamburger Wind – habe ich es zum ersten Mal seit Monaten wieder gewagt, ohne Mütze joggen zu gehen. Merke: Sonne plus Bewegung gleich doppelte Menge Endorphine. Völlig glückshormonüberflutet und entsprechend beschwingt habe ich dann für den frühen Abend ein paar Freunde eingeladen – zum Fußball gucken (das Ergebnis des Spiels sei an dieser Stelle verschwiegen, um den ansonsten rundum schönen Tag nicht zu ruinieren) und zum Angrillen auf dem heimischen Balkon. Zum saftigen Steak gab es einen sommerlichen Salat mit Joghurt-Limetten-Dressing und natürlich erfrischend prickelndes Bier.

Einziger Nachteil des ansonsten sehr erfreulichen Wetters: Das Bier muss man mittlerweile wieder in den Kühlschrank stellen statt es einfach draußen zu lagern.
Naja zwei Nachteile: Der Park wird jetzt wieder von unzähligen lebenden Hindernissen bevölkert, denen es beim Joggen auszuweichen gilt: Muttis mit Kinderwagen, wild herumtobende Hunde, militante Fahrradfahrer, Kinder mit Fußbällen, ältere Ehepaare mit Spazierstöcken…aber angesichts des lang ersehnten Sonnenscheins können mir solche Kleinigkeiten nicht die Laune verderben. Sogar die Schlappen beider Hamburger Bundesliga-Mannschaften werden durch das Wetter erträglicher.

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Vorbildlich: Das Land der Gesundheitsfanatiker

Eine Kollegin war kürzlich beruflich in China und erzählte mir die kuriosesten Geschichten. Man hört und liest ja viel in den Medien über „das Reich der Mitte“: Über das Bruttoinlandsprodukt, rasant wachsende Mega-Metropolen, etc. etc. …, aber ich wusste nicht, dass die Chinesen ein solch ulkiges Völkchen sind: Nicht selten passiert es, dass rhythmisch in die Hände patschende, ältere Damen umherstapfen. Gern klopft man auch auf andere Körperteile, um die Durchblutung anzuregen. Nicht ganz so ulkig, sondern eher unappetitlich ist die allgegenwärtige Angewohnheit, sich extrem geräuschvoll zu räuspern und das so fabrizierte Produkt anschließend befriedigt auszuspucken. Auch das ist angeblich unglaublich gesund. Ist jemand erkältet, raten Chinesen dazu, Unmengen heißen Wassers zu trinken. Vielleicht tragen sie deshalb immer diese kindlichen Tupperpöttchen mit sich herum, in denen ein paar feuchte Teeblätter kleben!? Ruckzuck heißes Wasser nachgegossen – ist gut für die Gesundheit.

Sommer, Sonne – Sonnenbaden? Nicht mit den Chinesen! Wenn Europäer sich in China ein wenig bräunen möchten, sind sie innerhalb kürzester Zeit von einer Gruppe halb neugieriger, halb entsetzter Chinesen umringt, die gefühlte 473 Komplimente für die „schöne weiße Haut“ (ein Beleg dafür, dass man es nicht nötig hat, auf dem Feld o.ä. zu arbeiten) hervorsprudeln und unbedingt wissen wollen, warum man diese nicht schnellstens in den schützenden Schatten rettet, bevor sie dunkler wird. Unverzichtbar: Mobile Schattenspender – dem Regenschirm ähnliche aber reich verzierte und garantiert nicht wasserfeste tragbare Sonnenschirme.

Aber Spaß beiseite: Wenn einer wissen muss, was gut für die Blutzirkulation ist, dann die Chinesen, denn sie waren weltweit die Ersten, die annahmen, dass es einen Blutkreislauf gibt – und zwar angeblich bereits im 1. Jahrhundert v.Chr.spätestens aber um 1200 n.Chr. und damit lange vor den Engländern 1628. Und gegen Hautkrebsprävention kann eigentlich niemand etwas einwenden, oder? Chingchangchong, Chinesen sind nicht dumm. Wir sollten in dieser Hinsicht alle etwas chinesischer werden.

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