Ich liebe Essen. Deswegen gebe ich dafür viel mehr Geld aus als Otto Normalverbraucher. Nicht weil ich unmenschlich viel esse, sondern weil Qualität mir über Quantität geht. Und Otto Normalverbraucher, wie ernährt der sich so? Nun, vor fünfzig Jahren gab er noch die Hälfte seines Gehalts für Lebensmittel aus. Doch heutzutage hat die „Geiz ist geil“-Mentalität auch deutsche Kühlschränke erreicht: In Deutschland werden nur noch 11,7% des Einkommens eines Haushaltes für die Ernährung ausgegeben – Tendenz weiterhin sinkend. Abartig, wenn man bedenkt, dass nichts unserem Körper näher kommt als Nahrung. Und außerdem leben wir schließlich von dem, was wir zu uns nehmen. Ergo müsste uns die Qualität dieser Produkte eigentlich besonders wichtig sein. Stattdessen sparen wir uns das neueste Smartphone buchstäblich vom Munde ab.
Ich jedenfalls versuche, meinen Kühlschrankinhalt überwiegend aus biologischer Erzeugung zu kaufen. Vor allem bei Tierprodukten wie Fleisch, Milch oder Eiern steht für mich schon der Haltungsbedingungen wegen außer Frage, dass ich nicht guten Gewissens zu Billigware greifen kann. Wenn ich darüber nachdenke, wie es möglich ist, dass Hähnchenschenkel manchmal nur 1,70 Euro pro Kilo kosten, wird mir übel. Sicher denken viele Verbraucher darüber nicht nach oder möchten darüber nicht nachdenken, aber Bio ist auch im eigenen Interesse: So möchte seit dem Dioxinskandal vor Kurzem sicher auch der größte Egoist vorerst keine konventionellen Eier mehr essen.
Doch obwohl ich gern etwas mehr für gutes Essen ausgebe, freue ich mich auch, wenn ich etwas Gutes zu günstigen Preisen bekomme oder gar umsonst. Wo gibt‘s denn so was!? Vorgestern war ich bei einer Kulturveranstaltung zum Thema „Chinesische Tänze und Musik“. Wegen technischer Probleme verzögerte der Beginn sich jedoch um eine ganze Stunde. Zur Wiedergutmachung ging das Buffet im Anschluss, welches normalerweise zehn Euro gekostet hätte, aufs Haus. Da haben sicher auch ein paar Pfennigfuchser mal gutes Essen genießen können – nur Bio war‘s wahrscheinlich nicht, aber einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul.