Letztes Wochenende war es wieder einmal Zeit, einen guten Freund in Dresden zu besuchen. Dieses Mal jedoch nicht nur, um wie immer ein umfangreiches Kulturprogramm zu absolvieren und sich danach ins Nachtleben zu stürzen. Zusätzlich fand noch das alljährliche Event „Bunte Republik Neustadt“ – kurz BRN – statt.
Das gesamte Viertel „Neustadt“, das mit unserem Hamburger Schanzenviertel vergleichbar ist, ist während des Festivals drei Tage lang fast rund um die Uhr auf den Beinen und aus ganz Deutschland sowie den angrenzenden Ländern strömen Liebhaber der BRN nach Dresden, um dabei zu sein. Zwar gibt es auch kommerziell geführte Bierstände etc., doch die BRN lebt im Wesentlichen vom Engagement der Bewohner dieses Stadtteils: Es gibt nicht nur unzählige Bands, Bier, Cocktails, Flohmarktstände und Essen aus aller Welt, sondern auch selbst gebackene Kuchen, Bodypainting, Flunky-Ball-Turniere, Kirschkern-Weitspucken, kleine Kunst-Workshops, eine Tanzfläche für Tango und Co. und vieles mehr. Verborgen in Hinterhöfen und hinter halb verfallenen, zugewucherten Mauern liegen einige der vielen Bühnen. Einmal entdeckten wir in der Nähe des Restaurants Stilbruch sogar ein kleines Hippie-Camp mit zwei Ponys, das dort, mitten in der Stadt, zeitweise errichtet worden war.
Tagsüber ist die BRN bereits gut besucht, doch nachts steigert sich die Atmosphäre noch: Das Viertel scheint vor Lebendigkeit zu pulsieren. Ein Grund dafür könnten die Bässe sein, die durch die Straßen der Neustadt dröhnen und so den Stadtteil rhythmisch erzittern lassen. Hoch über den vielen – zum Teil sehr außergewöhnlichen – Bands haben DJs auf den Balkonen Stellung bezogen. Unabhängig von der Tageszeit finden sich hier Unmengen Tanzwütiger ein, sodass an diesen Stellen der Straßen oft kein Durchkommen mehr ist. Auf anderen Balkonen spielen sich Live-Rapkonzerte ab und von einem baumelte sogar ein ganzes Sofa, auf dem jeder schaukeln konnte, der wollte.
Völlig endorphinüberflutet wegen des einzigartigen Flairs der BRN machte ich mich am Sonntag wieder auf nach Hamburg – back to Business.