Die Dinge, die ich mag

Aufschreiben, was gut ist…

Archive for Juni, 2011

Tanz der Endorphine

Letztes Wochenende war es wieder einmal Zeit, einen guten Freund in Dresden zu besuchen. Dieses Mal jedoch nicht nur, um wie immer ein umfangreiches Kulturprogramm zu absolvieren und sich danach ins Nachtleben zu stürzen. Zusätzlich fand noch das alljährliche Event „Bunte Republik Neustadt“ – kurz BRN – statt.

Das gesamte Viertel „Neustadt“, das mit unserem Hamburger Schanzenviertel vergleichbar ist,  ist während des Festivals drei Tage lang fast rund um die Uhr auf den Beinen und aus ganz Deutschland sowie den angrenzenden Ländern strömen Liebhaber der BRN nach Dresden, um dabei zu sein. Zwar gibt es auch kommerziell geführte Bierstände etc., doch die BRN lebt im Wesentlichen vom Engagement der Bewohner dieses Stadtteils: Es gibt nicht nur unzählige Bands, Bier, Cocktails, Flohmarktstände und Essen aus aller Welt, sondern auch selbst gebackene Kuchen, Bodypainting, Flunky-Ball-Turniere, Kirschkern-Weitspucken, kleine Kunst-Workshops, eine Tanzfläche für Tango und Co. und vieles mehr. Verborgen in Hinterhöfen und hinter halb verfallenen, zugewucherten Mauern liegen einige der vielen Bühnen. Einmal entdeckten wir in der Nähe des Restaurants Stilbruch sogar ein kleines Hippie-Camp mit zwei Ponys, das dort, mitten in der Stadt, zeitweise errichtet worden war.

Tagsüber ist die BRN bereits gut besucht, doch nachts steigert sich die Atmosphäre noch: Das Viertel scheint vor Lebendigkeit zu pulsieren. Ein Grund dafür könnten die Bässe sein, die durch die Straßen der Neustadt dröhnen und so den Stadtteil rhythmisch erzittern lassen. Hoch über den vielen – zum Teil sehr außergewöhnlichen – Bands haben DJs auf den Balkonen Stellung bezogen. Unabhängig von der Tageszeit finden sich hier Unmengen Tanzwütiger ein, sodass an diesen Stellen der Straßen oft kein Durchkommen mehr ist. Auf anderen Balkonen spielen sich Live-Rapkonzerte ab und von einem baumelte sogar ein ganzes Sofa, auf dem jeder schaukeln konnte, der wollte.
Völlig endorphinüberflutet wegen des einzigartigen Flairs der BRN machte ich mich am Sonntag wieder auf nach Hamburg – back to Business.

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Nicht die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln, aber wer dann?

Breaking News: Heute in der U-Bahn wurde ich Zeuge eines aufkeimenden Krieges zwischen der Türkei und Griechenland. Ja wirklich. Auch eine binationale Freundschaft hat Grenzen. Und zwar nicht nur geografische. Meist geht es bei Kriegen zwischen zwei Ländern um Territorien, politische Macht oder Ressourcen. Hier aber entbrannte ein Konflikt um kulinarische Kreationen.

Als ich in die Bahn stieg, waren die beiden Kontrahenten, zwei Schüler, bereits in eine hitzige Debatte vertieft. Wie sich im Verlauf ihres Streitgespräches schnell herausstellte, war einer von ihnen griechischer und der andere türkischer Herkunft. Ohne Notiz von den verblüfft lauschenden, restlichen Fahrgästen zu nehmen diskutierten sie heftig und lautstark darüber, wessen Landsmänner wohl den fabelhaften Kumpir erfunden haben mochten als hinge ihr gesamter Nationalstolz daran. Manche der Zuhörer fragten sich vielleicht, was wohl dieser mysteriöse Kumpir sein möge. Eigentlich eine Schande, aber dadurch, dass sie bisher ein kumpirloses Dasein haben fristen müssen, sind sie sicher mehr als genug bestraft. Den meisten dämmerte wahrscheinlich schnell, dass der Kumpir kein enger Verwandter des Tapirs ist, sondern, dass sich dahinter ein Auslöser unglaublicher Gaumenfreuden verbirgt. Die weniger Ahnungslosen dachten wahrscheinlich, was ich dachte: Über eine so wunderbare Erfindung wie den Kumpir sollte man eigentlich nicht streiten müssen. Aber ich wäre sicher auch stolz darauf, wenn er eine deutsche Idee gewesen wäre. Gepasst hätte das zu uns, wenn man weitverbreiteten Vorurteilen Glauben schenken darf, denn schließlich schimpft man uns Deutsche nicht nur „Krauts“, sondern zur Abwechslung gern auch mal „Kartoffeln“,  denn die essen wir angeblich bereits zum Frühstück. Wieso also haben wir dieses Gericht, dessen Basis unglaublich dicke Ofenkartoffeln bilden, nicht erfunden!? Priester vertreten laut Stupededia sogar die These, dass der Verzehr von Kumpir an Kannibalismus grenze.

Aber ich persönlich kann nicht widerstehen bei geschmolzenem Käse, frischem Petersiliensalat und Hummus oder einer der unzähligen anderen Varianten. Beliebt sind besonders Chicken und Thunfisch. Für Veganer gibts in der Schanze sogar einen milchfreien Kumpir.
Ja, wo kommt er denn nun her, der Kumpir? Der Beilegung des Konfliktes, so sie denn stattgefunden hat, konnte ich nicht mehr beiwohnen, sodass ich unwissend von dannen ziehen musste. Falls die Türkei bald Griechenland angreifen sollte oder andersherum: Ich habe es prophezeit!
Und was die Herkunft des Kumpirs angeht, drückt Wikipedia, selbst ernanntes Weltkulturerbe sich diplomatisch aus: aus der Balkanregion.

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