Als ich vorhin das Intro zu Pink Floyds „Time“ hörte, all die tickenden Uhren, musste ich unwillkürlich an die „Melting Clocks“ („Die Beständigkeit der Erinnerung“) von Salvador Dalí denken. Ich schätze Dalís Werke sehr.Vor seinem „La Gare de Perpignan“ habe ich im Museum Ludwig in Köln Stunden verbracht, immer neue Details entdeckt. Das Werk hat die Maße meines ehemaligen Studentenzimmers: Auf zwölf Quadratmetern Leinwand spielt Dalí mit Licht und Schatten. Das Bild ist vielschichtig, hat mehrere Ebenen. Erst spät entdeckte ich damals beispielsweise den gekreuzigten Jesus, der wie eine Art Wasserzeichen im Hintergrund schimmert.
Die Werke dieses exzentrischen Mannes mit dem verrückten Schnurrbart faszinieren mich: Lebendiges, Wandel, vieles kann so sein und dann doch auch wieder anders, Vergängliches, Verfall, die zum Teil immer wiederkehrende Symbolik – vor allem Eier, immer wieder Eier.
Dalí reagierte mit seinen Werken nicht nur kritisch auf das Geschehen in der Welt, sondern tauchte auch in die Tiefen der Psyche ein. Freud und der spanische Künstler, sie waren tief voneinander beeindruckt. Unterbewusstsein, Traum, Halluzination, paranoide Wahnvorstellungen – das ist der Stoff, aus dem viele von Dalís Werke gemacht sind. Er selbst soll einmal gesagt haben, er sei zu nichts Geringerem bestimmt, als die Malerei vor der Leere der modernen Kunst zu retten. Auch hier Wahn: Größenwahn. Doch so arrogant das zunächst klingen mag, ganz unrecht hat er nicht, denn die Aussagekraft seiner symbolgeladenen Werke ist immens. Außerdem muss man diese Äußerung sicher vor dem Hintergrund sehen, dass er, der den Namen seines verstorbenen Bruders bekam, der Welt zeit seines Lebens beweisen wollte, dass er nicht der Ersatz für einen anderen Salvador war, sondern eine besondere Persönlichkeit.
Das ist ihm gelungen: Als einziger Künstler konnte er von sich behaupten, dass es bereits vor seinem Tod zwei Museen gab, die einzig und allein seine Werke ausstellten. Er mag ein Provokateur gewesen sein, eine umstrittene Person, aber ganz sicher war er vor allem eines: ein Genie.