Die Dinge, die ich mag

Aufschreiben, was gut ist…

Archive for August, 2011

Falafel – verfeinert mit Sesam und Liebe

Die besten Falafel der Stadt Hamburg gibt´s definitiv bei Azeitona. Gratis dazu bekommt man jede Menge orientalische Atmosphäre, Kunst und Herzlichkeit. Fariz, der Inhaber, schnackt gern mit jedem, hat immer einen frechen Spruch und ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen. Mit seinem südländischen Temperament sorgt er im Azeitona für Stimmung. Fariz liebt seine Arbeit einfach, das spürt man. Ich finde es toll, wenn Leute ihren Job gern machen. Auch in meinem Stammcafé gibt es einen Mitarbeiter der mit einem strahlenden Lächeln nicht nur Kaffee eingießt, sondern auch Tassen abwäscht und beschwingt die Tische abwischt. Wenn er Schicht hat, trinke ich noch lieber Kaffee als sonst.

Viele Azeitona-Kunden sind Stammgäste und so kann es vorkommen, dass es mangels Pappbecher auch schon mal Getränke to go im Glas gibt. „Bring ich dir später wieder!“ Bei Azeitona herrscht, obwohl der kleine Laden quasi immer voll ist, eine fröhliche familiäre Stimmung. Drei, vier Mitarbeiter wuseln geschäftig herum, ohne dabei gestresst zu wirken und das Essen ist Weltklasse.

Auch gestern war der Ansturm im Azeitona wieder groß, der Strom der Bestellungen wollte überhaupt nicht abreißen. Ans Hinsetzen war gar nicht zu denken, sodass wir beschlossen, unsere Bestellung mitzunehmen und im Park zu essen. Obwohl Fariz sich bemühte, die Unmenge an Bestellungen im Blick zu behalten, nahmen schließlich zwei andere Gäste versehentlich unsere Bestellung mit. Also noch mal warten – aber es lohnt sich ja. Fariz entschuldigte sich tausendmal, obwohl wir es mit Humor nahmen und er selbst eigentlich gar nicht an der Verwechslung beteiligt gewesen war. Als wir schließlich bezahlen wollten, wehrte er ab und scheuchte uns mit einem Augenzwinkern raus. Dabei hätte dieser kleine Zwischenfall uns sicher nicht dazu gebracht, künftig auf die besten Falafel Hamburgs zu verzichten. Trotzdem haben wir uns natürlich über das Gratisessen gefreut, das wir im Park fast noch mit ein paar hartnäckigen Punks hätten teilen müssen. Schließlich wendeten sie sich aber doch wieder ihrem Bier zu. Wenn die gewusst hätten, was sie verpassen…

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„Vergess mein nicht“, flüsterte die schöne deutsche Sprache unter Tränen

Ich liebe unsere schöne deutsche Sprache mit ihrer Vielfalt an Synonymen und ihren komplexen grammatischen Strukturen. Umso trauriger macht es mich, wenn meine Mitmenschen sie grob misshandeln, indem sie bizarre neue Grammatikregeln erfinden. In letzter Zeit sind mir drei Dinge besonders aufgefallen: Falsch gebildeter Imperativ, die Verwechslung von „als“ und „wie“ sowie natürlich der Klassiker „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Ich muss gestehen, als Grammatikfetischist, der ich bin, alle vier Bände des Bestsellers von Bastian Sick gelesen zu haben. Bei einigem, das er in Band 3 und 4 anprangerte, habe ich zwar zunächst gedacht „Komm Bastian, nun denk dir mal nichts aus, nur um ein weiteres Buch vollzubekommen. So bekloppt redet doch niemand.“ Doch dann wurde ich oft schnell eines Besseren belehrt. Zum Beispiel als ich ein Mädchen in der Bahn sagen hörte „Ich bin eingeschlafen, bevor der Film zu Ende war. Deswegen ist der Fernseher die ganze Nacht eingeschalten geblieben.“ Eingeschalten! Konjugieren wir Verben seit Neuestem nur noch zur Hälfte?

Überhaupt hört man in der Bahn vieles, das einem Schauer über den Rücken jagen kann. Sätze wie beispielsweise „Ich bin stärker wie du. Mach Platz da!“ und „Wie als wenn das stimmt, du Schwächling!“ scheinen schon in den üblichen Sprachgebrauch übergegangen zu sein. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von dieser Blüte des natürlichen Sprachwandels halten soll.

Was man noch so in der U-Bahn hört? Nichts Gutes. „Treff dich doch noch mal mit ihr!“, ermuntert ein Jugendlicher seinen Kumpel. „Vergess sie lieber“, rät ihm ein anderer. Warum zur Hölle bildet man neuerdings den Imperativ mit „e“ statt mit „i“? Sogar mein bester Freund fordert mich bei unseren gemeinsamen Kochabenden des Öfteren auf: „Ess doch noch ein bisschen!“ Auch vor Akademikern macht die ominöse i-Allergie anscheinend keinen Halt. Lies den Duden! Mehr fällt mir dazu auch nicht mehr ein.

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When I’m sixty-four

Beim Joggen kommt mir hin und wieder ein älteres Paar entgegen: beide um die Siebzig und längst ergraut, aber dennoch fit. Beim Spazierengehen halten sie Händchen, sind in ihr Gespräch vertieft und lächeln sich gegenseitig an. Und Sonntagsmorgens kann man vor der Kirche ältere Herren sehen, die ihren Frauen gentlemanlike verschmitzt grinsend die Autotür öffnen. Auch in der Hamburger U-Bahn sehe ich solche Paare manchmal. Meist sind es Touristen im Rentenalter, die es genießen, endlich Zeit zu haben, um gemeinsam zu verreisen. Fröhlich strahlend und unternehmungslustig gondeln sie von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten.

Wann immer ich glückliche ältere Paare sehe, freue ich mich, dass man anscheinend auch nach vielen Jahren noch ein Stück weit wie frisch verliebt sein kann und den anderen nicht als selbstverständlich hinnimmt. Wer mit über sechzig noch offen seine Zuneigung ausdrückt und somit seine Wertschätzung für den Partner zeigt, hat auf jeden Fall einiges richtig gemacht im Leben. Schön, dass es so was noch gibt in Zeiten, in denen jede zweite Ehe geschieden wird (2008). Noch vor zwanzig Jahren hielten zwei Drittel aller Ehen, vor fünfzig Jahren sogar 90 Prozent. Die Tendenz, die sich somit abzeichnet, ist also nicht besonders positiv: Immer mehr Ehen gehen in die Brüche. Da macht es doch Mut, wenn einem ab und zu Menschen über den Weg laufen, die beweisen, dass es auch ältere Paare gibt, die noch immer glücklich miteinander sind. Es macht Hoffnung darauf, dass die Möglichkeit besteht, dass man später selbst Teil eines solchen Paares sein wird.

Wie man das macht? Nun, meine 82jährige Großtante schwört auf Rituale. Sie und ihr Mann frühstücken jeden Morgen gemeinsam, egal was sie am Tag vorhaben und ob einer von ihnen vielleicht früher raus muss als der andere. Außerdem rät meine Großtante, nie zerstritten schlafen zu gehen. Forscher empfehlen jedoch irritierenderweise genau das Gegenteil, denn im Schlaf baut man angeblich Aggressionen ab, sodass ein sachliches Gespräch wieder möglich wird. Ob Weisheit oder Wissenschaft – Hauptsache es funktioniert!

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Sofa-Open-Air-Konzert

Für Dienstagabend war dank eines Urlaubstages am Mittwoch eigentlich eine Kneipentour geplant. Aber man kennt das ja: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wir waren schon länger nicht mehr auf dem Hamburger Berg gewesen und mussten zuerst einmal verkraften, dass unser geliebtes „Nachtlager“, aus einem für uns unerklärlichen Grund für längere Zeit geschlossen zu sein schien. Hoffentlich nicht für immer! Der Laden war immer brechend voll – eigentlich unmöglich, eine so gut gehende Bar vor die Wand zu fahren. Well, time will tell.

Also zogen wir Richtung Barbarabar. Vor der Tür stehen im Sommer Sofas draußen (nicht nur) für die Raucher. Doch neben einigen ihrer Nikotinsucht frönenden Gäste hatten sich dort drei Musiker eingefunden, die abwechselnd mit rauer Stimme sangen und dazu Gitarre spielten. Einer von ihnen untermalte das Ganze mit skurrilen Tanzeinlagen. Mehr und mehr Menschen versammelten sich um sie herum. Iren, Kanadier, Schweden und sogar zwei Chilenen. Es wurde eine lustige bunte Runde, mehr Gitarren wurden dazu geholt und im Laufe des Abends spielten sie alles, was das Herz begehrt: Oasis, Rolling Stones und – wovon ich bis heute noch einen Ohrwurm habe – „Little Lion Man“. Das Schönste an der ganzen Sache war, dass die Musiker – mittlerweile waren es fünf oder sechs – nicht die geringsten Anstalten machten, Geld dafür zu verlangen. Kein Hut ging rum und auch die Gitarrenkiste blieb geschlossen. Sie spielten einfach nur, weil sie Bock drauf hatten. Gerade das fanden wir extrem sympathisch und spendierten ihnen irgendwann ein paar Bier. Und ein Russe, der sich ebenfalls dazugesellt hatte, holte Tequila.

Erst gegen vier Uhr morgens löste sich die Versammlung langsam auf, auch in den anderen Bars war nichts mehr los – wir waren komplett versackt. Von wegen Kneipentour! Stattdessen hatten wir einen unvergesslichen Abend. Mit einigen Leuten saßen wir schließlich noch bis halb sieben am Hafen bis die beiden Schweden sich mit ihrem lustigen Akzent genug aufgeregt hatten, dass sie den „Wassrtoäm“ heute nicht gefunden hätten. Das ist Hamburg: voller Überraschungen. Die unkonventionellen Menschen hier machen das ganz spezielle Flair dieser Stadt aus.

Sofa-Open-Air-Konzert

Für Dienstagabend war dank eines Urlaubstages am Mittwoch eigentlich eine Kneipentour geplant. Aber man kennt das ja: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wir waren schon länger nicht mehr auf dem Hamburger Berg gewesen und mussten zuerst einmal verkraften, dass unser geliebtes „Nachtlager“, aus einem für uns unerklärlichen Grund für längere Zeit geschlossen zu sein schien. Hoffentlich nicht für immer! Der Laden war immer brechend voll – eigentlich unmöglich, eine so gut gehende Bar vor die Wand zu fahren. Well, time will tell.

Also zogen wir Richtung Barbarabar. Vor der Tür stehen im Sommer Sofas draußen (nicht nur) für die Raucher. Doch neben einigen ihrer Nikotinsucht frönenden Gäste hatten sich dort drei Musiker eingefunden, die abwechselnd mit rauer Stimme sangen und dazu Gitarre spielten. Einer von ihnen untermalte das Ganze mit skurrilen Tanzeinlagen. Mehr und mehr Menschen versammelten sich um sie herum. Iren, Kanadier, Schweden und sogar zwei Chilenen. Es wurde eine lustige bunte Runde, mehr Gitarren wurden dazu geholt und im Laufe des Abends spielten sie alles, was das Herz begehrt: Oasis, Rolling Stones und – wovon ich bis heute noch einen Ohrwurm habe – „Little Lion Man“. Das Schönste an der ganzen Sache war, dass die Musiker – mittlerweile waren es fünf oder sechs – nicht die geringsten Anstalten machten, Geld dafür zu verlangen. Kein Hut ging rum und auch die Gitarrenkiste blieb geschlossen. Sie spielten einfach nur, weil sie Bock drauf hatten. Gerade das fanden wir extrem sympathisch und spendierten ihnen irgendwann ein paar Bier. Und ein Russe, der sich ebenfalls dazugesellt hatte, holte Tequila.

Erst gegen vier Uhr morgens löste sich die Versammlung langsam auf, auch in den anderen Bars war nichts mehr los – wir waren komplett versackt. Von wegen Kneipentour! Stattdessen hatten wir einen unvergesslichen Abend. Mit einigen Leuten saßen wir schließlich noch bis halb sieben am Hafen bis die beiden Schweden sich mit ihrem lustigen Akzent genug aufgeregt hatten, dass sie den „Wassrtoäm“ heute nicht gefunden hätten. Das ist Hamburg: voller Überraschungen. Die unkonventionellen Menschen hier machen das ganz spezielle Flair dieser Stadt aus.

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Nichts als die (radikale) Wahrheit

Momentan lese ich „Mensch, bist du dick geworden!“ von A. J. Jacobs. Darin schildert der Autor die verschiedensten Selbstversuche: Darunter der, sich an die Lebensphilosophie der radikalen Wahrheit nach Brad Blanton zu halten. Dies bedeutet nicht nur, nicht zu lügen, sondern geht sogar noch darüber hinaus. Zunächst einmal sind selbst Notlügen, die verhindern sollen, dass der Gesprächspartner verletzt wird, nicht erlaubt. Außerdem, was denjenigen, der die radikale Wahrheit praktiziert, zusätzlich in Bedrängnis bringt, sollen sämtliche (!) Gedanken ausgesprochen werden. So soll eine ehrliche, offene Kommunikation erreicht werden, die die zwischenmenschlichen Beziehungen enger werden lässt.

Ich kann mir das nicht vorstellen und vermute, dass eher das Gegenteil der Fall sein wird. Bei Treffen mit den lieben Verwandten Äußerungen wie zum Beispiel „Tante Grete, du hast wieder viel zu viel Eau de Cologne aufgelegt.“, oder „Das Essen ist echt unglaublich versalzen, Mama.“ zu tätigen, sind wahrscheinlich nicht besonders zuträglich für die Stimmung. Und im Job erst: „“Heute kann ich leider nicht arbeiten Chef, ich hab einen Mordskater, sorry.“ Was mich endgültig in Teufels Küche bringen würde ist eine blanton‘sche Antwort auf die Frage meiner Freundin „Findest du, dass ich zugenommen habe?“ Schon mit kleinen Notlügen ist dieses Themengebiet das reinste Minenfeld: Man(n) kann einfach nur falsch antworten. Mit der radikalen Wahrheit greift man jedoch zielsicher zur denkbar schlechtesten Antwort. Ich frage mich, ob Blanton sich dieses Szenario wohl schon einmal ausgemalt hat. Vielleicht ist er mit seinen siebzig Lenzen noch Junggeselle und hat deshalb nie bemerkt, dass die radikale Wahrheit in so einem Fall geradewegs in die Hölle führen kann.

Wie dem auch sei – ich bin jedenfalls dankbar, dass A. J. Jacobs die radikale Wahrheit und noch einiges mehr für mich und den Rest der Welt ausprobiert und seine Erlebnisse aufgeschrieben hat. So müssen wir uns selbst nicht in heikle Situationen begeben, um zu sehen, was wohl passieren würde. Und ziemlich amüsant ist die Lektüre außerdem.

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