Die Dinge, die ich mag

Aufschreiben, was gut ist…

Archive for Januar, 2012

Wie Chris McCandless Freiheit suchte und die Suche mit dem Tod bezahlte

Letzte Woche schrieb ich über den Film „Atmen“ mit dem Laienschauspieler Thomas Schubert in der Hauptrolle. Dadurch, dass Schubert vorm Dreh kaum Schauspieltechniken erlernt hatte, jedoch viel Talent besitzt, wirkte er sehr authentisch in seiner Rolle des orientierungslosen, unsicheren Roman Kogler. Diese Echtheit macht den Film besonders. Heute möchte ich über einen weiteren, noch viel intensiveren Film berichten, den ich in letzter Zeit gesehen habe: “Into the Wild”. Auch “Into the Wild” ist sehr echt, jedoch auf eine andere Art und Weise. Dass die Story auf wahren Begebenheiten beruht, macht diesen dramatischen Film noch mitreißender.

Chris McCandless, der aus einer reichen Familie stammt, ist nach dem Abschluss seines Studiums endgültig sein bisheriges Leben satt. Seine Eltern begreifen nicht, dass er sich etwas anderes wünscht als materielle Dinge. Unter einem Vorwand verschwindet er daher. Er taucht ab, um als Tramper durch die USA zu reisen und lässt alles zurück: seine Schwester, Sicherheit und Sauberkeit. Sein Auto zündet er an, sein Geld spendet er an eine Hilfsorganisation.

Er nennt sich nun Alexander Supertramp und hat sein altes Leben gegen Obdachlosen-Tafeln und illegales Zugfahren aber auch gegen Freiheit eingetauscht. Immer wieder trifft er auf seiner Reise Menschen, mit denen er Erlebnisse teilen kann, die in ihm etwas Besonderes sehen, seine Persönlichkeit schätzen, doch jedes Mal läuft er plötzlich davon, sucht die Einsamkeit. Mehrere Schicksalsschläge führen schließlich dazu, dass er völlig abgemagert und mit Vergiftungserscheinungen allein in der Wildnis Alaskas stirbt. In sein Tagebuch schreibt er kurz vor seinem Tod die Erkenntnis, die ihm zu spät kam: „Happiness is only real when shared.“

Besonders tragisch ist, dass die Rettung gleich doppelt nah war: Da Chris den Weg, den er gekommen war, über den im Sommer reißenden Fluss nicht zurückgehen konnte, sah er keine Möglichkeit, in die Zivilisation zurückzukehren. Aus seiner alten ungenauen Karte ging nicht hervor, dass diese nur etwa 25 Kilometer entfernt gewesen wäre. Gut zwei Wochen nach seinem Tod fanden Elchjäger Chris‘ Leiche.

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„Atmen“ – atemberaubend guter Film!

Roman sitzt im Knast. Wenn er Ausgang hat, geht er auf den Friedhof. Hier liegt der Junge begraben, den er als 14jähriger zu Tode geprügelt hat. Damals war ein Heimkind. Seine völlig überforderte Mutter hatte ihn bereits als Baby weggegeben. Vom Heim direkt ins Gefängnis. Er kennt nichts anderes als starre Regeln und Kontrolle. Überall Kameras, abmelden, anmelden. Regelmäßig schaut man ihm in sämtliche Körperöffnungen. Routine, Roman kennt nichts anderes. Der Zuschauer kann seine Angst vor der Freiheit spüren. Bald wird der mittlerweile 19jährige vorzeitig entlassen, wenn es ihm gelingt, eine Ausbildungsstelle zu finden. Trotzig entscheidet er sich für ein Bestattungsunternehmen.

Prompt kommt er am ersten Tag zu spät, wirft jedoch nicht hin, denn von diesem Ausbildungsplatz hängt sein erster Schritt in die Freiheit ab. Leicht machen es ihm die neuen Arbeitskollegen zunächst nicht: Sie behandeln den „Knasti“ recht barsch. Roman weiß sich noch nicht in der ungewohnten Umgebung zu bewegen. So bittet er einmal einen Kollegen, ihm beim Binden der Krawatte zu helfen. Dieser lehnt ab, sodass der Junge vorm Chef bloßgestellt wird. Eine ähnliche Situation später ihm Film – eine meiner Lieblingszenen: Derselbe Mitarbeiter bindet vorm Spiegel seine Krawatte. Er ist eigentlich bereits fertig, löst den Knoten jedoch wieder, als der Junge von hinten herantritt, und beginnt langsam noch mal von vorn, sodass Roman sich die Technik bei ihm abschauen kann. Die Miene des Mannes bleibt hart und ausdruckslos, doch die Geste zeigt, dass sich etwas verändert hat. Er kommt zwar nicht aus seiner Haut, bleibt ruppig, doch hat er Roman ins Herz geschlossen.

Romans Begegnung mit seiner Mutter und das Ende des Films möchte ich nicht vorwegnehmen, doch so viel sei gesagt: ein großartiger Film!

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Menschenrechte für 1,4 Milliarden und Denkanstöße für alle

Der Victor, das wissen diejenigen, die hin und wieder meinen Blog lesen, interessiert sich nicht nur für das allabendliche Fernsehprogramm. Irgendwie reicht ihm das nicht, diesem verrückten Hund. Deshalb treibt er sich bald hier und bald dort herum, um bloß nichts im politischen, gesellschaftlichen, kulturellen oder kulinarischen Bereich zu verpassen.
„Stimmt“, sage ich. Ich muss immer überall dabei sein, interessiere mich für tausend Dinge. In einer modernen Wissens- und Informationsgesellschaft wahrscheinlich keine so schlechte Eigenschaft. Doch wo geht er hin, der Bildungsbürger von heute, um sein Verlangen nach Kunst und Politik zu stillen? Nun, beispielsweise zu den Veranstaltungen der Hamburger Körber-Stiftung. Zumindest tue ich das hin und wieder. Interessante Themen gibt es zuhauf: Mal geht es um Migration, mal um Europapolitik, dann wieder um asiatische Länder und manchmal auch um Musik.

Bei der letzten Veranstaltung der Körber-Stiftung, die ich besuchte, lautete das Thema: „Dialog in der Krise – China, Europa und die Menschenrechte“ – ein hochbrisantes Thema und dementsprechend hitzig war teilweise die Diskussion. Der Architekt Herr von Gerkan nahm eine recht wirtschaftliche Position ein und wetterte gegen den „Menschenrechtsimperialismus“ der Europäischen Union. Tilman Spengler, ein Sinologe, versuchte ihn zu beruhigen, indem er freundschaftlich seinen Arm tätschelte, und erwies sich im Laufe des Abends als grundsympathischer Typ, der das Prädikat „schweinecool“ verdient. Hinsichtlich der Menschenrechte habe sich in China schon viel getan, berichtete ein Chinese aus dem Publikum, während die Politologin Frau Dr. Kinzelbach der Meinung war, es sei möglich, das Tempo, in dem sich die Verbesserungen vollzögen, zu erhöhen. Der chinesischstämmige Journalist Ming Shi versorgte zwischendurch vor allem Herrn von Gerkan immer wieder mit einigen Informationsupdates. Einzig die Publikumsfrage, ob wachsender Wohlstand den Wunsch nach mehr Menschenrechten fördere oder bremse, versehen mit dem Hinweis, die DDR sei schließlich wirtschaftlich „ausgeblutet“ blieb schließlich im Raum stehen und im Kopf – zumindest in meinem – hängen.

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Sushi und Globalisierung an der Festtagstafel

Weihnachten. Standardprogramm: Auto packen, stundenlang auf meine Freundin warten, deren Wimpern vor der Abfahrt selbstverständlich noch akribisch getuscht werden müssen. Dann endlich losfahren, im Stau stehen, völlig entnervt und natürlich zu spät zum Mittagessen bei meinen Eltern aufkreuzen, noch völlig überfressen ein gefühltes Kilo Kuchen (“Ach Junge, nimm doch noch!”) draufschaufeln und schließlich nach dem üppigen Abendessen unter den Weihnachtsbaum rollen, um Geschenke auszupacken. Wenigstens die Kirche fiel dieses Jahr wegen allgemeinem Völlegefühl und der damit verbundenen Trägheit aus.

Ein wenig Magendrücken nahm ich aber gern in Kauf, denn zum Abendessen gab es dieses Jahr statt dem üblichen Gänsebraten Sushi satt! Grund war zwar nicht etwa meine Vorliebe für asiatisches Essen, sondern der Gesundheitstrip, auf dem meine Mutter sich gerade befindet. Hauptsache war jedoch die Tatsache, dass ich nach Herzenslust zulangen konnte. Auch das gemeinsame Zubereiten hat viel Spaß gemacht. Ich war überrascht, aber es ist wirklich gar nicht so schwierig mithilfe der Bambusmatte ein wenig Reis plus Füllung in ein Algenblatt (Nori) zu wickeln. Am besten schmeckt mir Thunfisch mit Avocado und auch Surimi ist nicht übel. Am leichtesten zuzubereiten ist Sashimi, eine Sushi-Art, bei der einfach ein Stück roher Fisch auf ein Reisbällchen gelegt wird. Das einzig Schwierige aber auch das Leckerste sind California Rolls: eine amerikanische Variante dieses japanischen Gerichts, bei der der Reis sich außen befindet und das Nori-Blatt somit umhüllt. In Sesam gewälzt – ein Traum!

Sushi als Weihnachtsessen ist ein weiterer Beweis dafür, dass alle Bereiche unseres Lebens der Globalisierung unterworfen sind und außerdem eine der besten Ideen, die meine liebe Mutti jemals hatte!

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Alle Wetter! Schuhkauf für Fortgeschrittene

Weiße Weihnachten!? Fehlanzeige! Stattdessen allerfeinstes Hamburger Matschwetter mit allem, was so dazugehört: Fiese Eiseskälte, rauer Wind, Regen natürlich und am schlimmsten: Schneeregen. „Versuchen kann man es ja mal …“, denkt sich der Winter wohl und wirft hin und wieder eine Ladung Schneematsch über der schönsten Stadt der Welt ab. Ungemütlich. Aber einen (fast) waschechten Hamburger Jung schreckt das selbstverständlich nicht! Und so kommt es, dass ich mich bei Wind und Wetter durch den Stadtpark kämpfe, um dem Winterspeck keine Chance zu geben. Der Vorteil bei dem Wetter ist, dass die Anzahl der verzogenen Hunde und Kleinkinder im Vergleich zum Sommer um ein Vielfaches geringer ist. Das wiederum ist sehr angenehm.

Als kleine zusätzliche Motivation für mich legte ich mir kürzlich neue Laufschuhe zu. Eine längst fällige Investition. Ich vermutete, das alte Paar seit circa sechs Jahren zu besitzen, doch der fachkundige Verkäufer im Hamburger Laufladen, der sämtliche Modelle auswendig kannte, schätzte das Alter meiner Treter eher auf neun Jahre. Er bestätigte mir, was ich befürchtet hatte: Die Federung war komplett hinüber.

Nach einer Laufanalyse probierte ich gut eine Stunde lang Schuhe an. Schuh an, schnüren, fester schnüren, Fersenschnürung, Schuh wieder aus – nächster! Irgendwann hörte ich auf zu zählen. Unglaublich, dass Frauen Spaß am Schuhkauf haben! Schließlich dann aber endlich die Erlösung, als das richtige Paar gefunden war. Das darf ich jetzt zwei Wochen lang in der freien Wildbahn testen und kann es bei größeren Problemen noch umtauschen. Ja liebe Frauen, nennt mir mal einen Schuhladen, der eure getragenen Pumps zurücknimmt!

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